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Zecken richtig entfernen, Stiche behandeln

Manchmal erwischen sie einen doch: Zecken! Wie Sie die Sauger richtig entfernen, wie Sie Zeckenstiche behandeln, und wann Sie zum Arzt gehen sollten
von Bettina Dobe, aktualisiert am 20.12.2016

Zecken auf einem Grashalm: Typischer Aufenthaltsort für die Sauger

Thinkstock/iStock

Ein schöner Sommerspaziergang, wunderbar. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Manchmal erwischt einen die Zecke doch. Haben Sie das Spinnentier – oft zunächst als kleiner dunkler Punkt sichtbar – entdeckt, sollten Sie es so schnell wie möglich entfernen. Denn die Übertragung von Erregern kann gefährlich sein: Zecken in ganz Deutschland können Lyme-Borreliose und in Süddeutschland zudem auch die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) übertragen. Gegen Letzteres kann man sich vorbeugend impfen lassen. Eine Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.

Beim Entfernen geht es zwar nicht um Sekunden: Mindestens zwei Stunden, im Schnitt einen halben bis einen Tag, dauere es, bis Bakterien wie Borrelien vom Darm der Zecke in den Saugapparat gelangt seien, so Dr. Rolf Kübler, Allgemeinarzt aus Stuttgart.

Mindestens zwei Stunden vom Zeckenstich bis zur möglichen Übertragung von Borreliose-Erregern – Spaziergänger haben also genug Zeit, um sich in der Apotheke mit dem richtigen Werkzeug zum sachgerechten Entfernen einer Zecke auszurüsten oder um zum Arzt zu gehen. Experten raten, bei Waldspaziergängen eine Zeckenzange oder -karte dabei zu haben.

Zecke am besten herausziehen

Früher tropfte so mancher noch Öl, Nagellackentferner oder Kleber auf die Zecken, um sie zu töten. "Das macht man aber heute besser nicht mehr", warnt Kübler. Die Tiere könnten sich in die Einstichstelle übergeben und so erst recht Bakterien und Viren übertragen. Eine Zecke muss darum mit viel Fingerspitzengefühl entfernt werden, sie darf möglichst nicht gequetscht werden. "Das drückt nur eventuell gefährliche Bakterien in den Saugapparat", so Kübler.

Versucht man eine Zecke herauszudrehen, bleiben unter Umständen Teile in der Haut stecken. In das abgetrennte vordere Stück können zwar keine Borrelien oder FSE-Viren mehr gelangen. Aber eine örtliche Entzündung durch Verunreinigung ist natürlich möglich. Eine Drehbewegung ist nicht sinnvoll: Zecken "schrauben" sich nicht in die Haut, sondern sie verankern sich mit Hilfe kleiner Widerhaken an ihrem Stachel und setzen sich dann fest.

Trotzdem fällt Drehen einigen Menschen leichter als Ziehen, weil sie das Gefühl haben, die Drehbewegung mit mehr Fingerspitzengefühl ausüben zu können. Und auch beim Herausziehen besteht die Gefahr, einen Teil der Zecke einfach abzureißen. Darum: Ob Drehen oder Ziehen: "Am Ende ist es wichtig, dass die Zecke vollständig entfernt wird", sagt Dr. Matthias Berndt, Allgemeinarzt aus Hannover. Wenn Teile des Saugapparats oder gar der ganze Kopf der Zecke stecken geblieben seien, solle man seinen Hausarzt aufsuchen, rät Berndt.

Zeckenzange, Zeckenpinzette, Zeckenkarte

Am besten eignen sich zur Entfernung sogenannte Zeckenpinzetten oder -zangen oder auch Zeckenkarten. Die Utensilien bekommt man zum Beispiel in der Apotheke. "Die Karte mit dem Schlitz schiebt man unter das Tier. Dann muss man relativ kräftig, aber trotzdem vorsichtig ziehen", erklärt Apothekerin Olivia Schauer aus München die Zeckenkarte.

Stich nach Entfernen der Zecke desinfizieren

Packen Sie das Tier möglichst nah an der Haut: "Die Zecke könnte es sonst zerreißen", warnt Berndt. Ziehen Sie die Zecke behutsam und ohne Unterbrechung gerade aus der Haut heraus und achten Sie darauf, dass kein Mundwerkzeug zurückbleibt. Desinfizieren Sie danach die Stichstelle.

Selbst in Risikogebieten für FSME ist nicht jede Zecke durchseucht. Die Quote kann erheblich variieren. "Aber nur, weil eine Zecke infiziert war, heißt das nicht, dass sie die Krankheit auch übertragen hat", klärt Berndt auf. Da die Übertragung einer Borreliose  meist erst nach einigen Stunden erfolgt, bedeutet nicht jeder Stich einer befallenen Zecke auch eine Infektion. Außerdem führt nicht jede Infektion zu Krankheitserscheinungen. Dies gilt sowohl für Borreliose als auch für FSME.

Nach Zeckenstich immer zum Arzt?

Je nachdem, wie leicht sich die Zecke herausziehen lässt, ist ein Arztbesuch ratsam. "Kurz nach dem Stich hat sich die Zecke noch nicht festgesaugt, da kann man sie noch recht leicht entfernen", sagt Kübler. Die Zecke benutzt eine Art "Klebstoff", mit dem sie sich fest mit dem Wirt verbindet. Dieser Klebstoff wird erst nach einigen Minuten ausgeschüttet und erschwert das Herausziehen der Zecke.

Je schwieriger das Entfernen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Tier bereits Erreger übertragen hat. Wer eine Zecke zwölf Stunden lang mit sich herumträgt, sollte auf jeden Fall zum Arzt, rät daher auch Berndt.

Hunde- und Katzenbesitzer sind oft schon geübt im vorsichtigen Entfernen der Zecken bei ihren Haustieren. Sie haben allerdings auch selbst häufiger Zecken – und müssen als "Profis" nicht wegen jeder Zecke einen Arzt aufsuchen. "Bei Unklarheiten oder wenn man an sich Symptome wie eine Wanderröte entdeckt, sollte man zum Arzt", empfiehlt Berndt. Beobachten Sie also die Einstichstelle noch einige Wochen, um eine eventuelle Rötung mit hellem Zentrum, die sich ausdehnt, das mögliche Symptom für eine Borreliose, zu entdecken.

Borreliose: Symptome oft nicht eindeutig

Die Symptome einer Borreliose sind jedoch nicht immer gleich. Einige Erkrankte weisen zum Beispiel keine Wanderröte auf. Aber auch ein Bluttest kann bei unklaren Symptomen nicht unbedingt Gewissheit verschaffen. "Oft zeigt er an, dass man irgendwann einmal Borreliose hatte. Der Test hat also nur bedingt etwas mit der aktuellen Situation zu tun", erklärt Allgemeinarzt Berndt. Stattdessen rät er zur Gelassenheit: "Von einem Zeckenstich sollte man sich nicht verrückt machen lassen." Wichtig ist aber, auch bei grippeähnlichen Beschwerden, etwa Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, zum Arzt zu gehen.



Bildnachweis: Thinkstock/iStock, W&B/Martina Ibelherr

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