banner.jpg
  • Apotheker Hans-Ulrich Pradel e.Kfm.
  • Potsdamer Str. 9
  • 33719 Bielefeld
  • Telefon: (0521) 330688
  • Fax: (0521) 339640

Den Kopfschmerz stoppen

Experten sehen im Spannungskopfschmerz inzwischen eine leichte Form der Migräne. Was Patienten am besten hilft
von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 21.12.2016

Unter Druck: Stress gilt als häufiger Kopfschmerz-Auslöser

Thinkstock/istock

Spannungskopfschmerz, diese Diagnose wird es in Zukunft vielleicht nicht mehr geben. Zumindest nicht in der Internationalen Kopfschmerz-Klassifikation (IHS): Derzeit diskutieren Experten, ob es sich bei den leichten bis mittelstarken, den ganzen Kopf umfassenden Beschwerden nicht doch um eine leichte Form der Migräne handelt. "Wenn es ihn überhaupt gibt, ist der chronische Spannungskopfschmerz sehr selten", meint etwa Professor Andreas Straube, Kopfschmerzexperte an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der LMU München. Oft berichten Patienten über Beschwerden, die einmal ähnlich wie Spannungskopfschmerz ausfallen, an anderen Tagen eher migräneartig sind. Sie leiden also an einer Art Mischform.

Auch die gängige Theorie, dass dem Spannungskopfschmerz muskuläre Verspannungen zugrunde liegen, verweist Straube ins Reich der Mythen. Zumal Patienten mit chronischer Migräne in Studien häufiger über Muskelschmerzen klagen als Patienten mit Spannungskopfschmerz. "Bei beiden Kopfschmerzarten ist die Schmerzverarbeitung gestört", sagt Straube. Beim Spannungskopfschmerz sei das schmerzhemmende System jedoch noch in der Lage, die Beschwerden zu dämpfen, weshalb diese meistens schwächer ausfielen.

Schmerzmittel gehört in die Hausapotheke

Betroffenen dürfte es zunächst egal sein, wie die Pein in ihrem Kopf medizinisch korrekt einzustufen ist. Hauptsache, die Beschwerden verschwinden schnell wieder. Und so gehen viele mit akuten Kopfschmerzen gar nicht erst zum Arzt, sondern gleich in die Apotheke. Solange einen die Beschwerden nur hin und wieder plagen, ist das völlig in Ordnung. Je früher man ein Mittel dagegen einnimmt, desto schneller tritt auch die Wirkung ein. "Damit man bei akutem Kopfschmerz nicht erst losziehen muss, gehört ein Schmerzmittel in jede Hausapotheke", sagt Marlene Kissel, Apothekerin aus Herne (Nordrhein-Westfalen). Doch wie wählt man aus der Vielzahl der Präparate das geeignete aus? Dazu brauchen Apotheker genauere Informationen. "Zunächst klären wir ab, wie lange der Schmerz schon besteht und wie häufig er auftritt", sagt Kissel. Ist er einseitig, pulsierend und wird von Sehstörungen und Übelkeit begleitet? Das deutet auf Migräne hin und sollte von einem Arzt abgeklärt werden.

Rezeptfreie Mittel: Paracetamol oder Pfefferminze?

Steht die Diagnose fest, können sich auch Migränepatienten mit rezeptfreien Mitteln selbst behandeln – sofern sie diese nicht öfter als zehnmal im Monat und nicht an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen brauchen. Zur Selbstmedikation gibt es seit einigen Jahren neben Standardpräparaten wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Paracetamol und koffeinhaltigen Kombinationen auch einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane. Diese helfen ausschließlich gegen Migräne. Die anderen Mittel dagegen kommen auch bei weiteren Kopfschmerzformen zum Einsatz. Etwa wenn sich der Schmerz dumpf drückend über den gesamten Kopf zieht.

"Für die Wahl des richtigen Medikaments müssen wir zudem wissen, für wen das Schmerzmittel bestimmt ist, ob der Betroffene weitere Erkrankungen hat und welche Arzneien er sonst noch nimmt", sagt Kissel. Wer bereits ein Magengeschwür hatte oder blut­gerinnungshemmende Medikamente nimmt, darf keine Acetylsalicylsäure verwenden, da diese die Blutungs­gefahr erhöht. Bei einer vorgeschädigten Leber ist Paracetamol tabu. "Manche Patienten kommen auch gut mit äußerlich angewandtem Pfefferminzöl zurecht", so Kissel. "In der Regel finden wir für jeden ein geeignetes Mittel."

Problematisch wird es jedoch, wenn die Beschwerden häufiger auftreten: Bei regelmäßiger Einnahme können Medikamente nämlich Kopfschmerzen verlängern und die Häufigkeit der Attacken erhöhen (siehe Kasten). "Wenn die Beschwerden regelmäßig an mehr als acht bis zehn Tagen im Monat auftreten, sollte deshalb eine vorbeugende Therapie erwogen werden", betont Experte Straube. In diesem Fall rät er zum Besuch bei einem Neurologen – vor allem wenn sich Stärke und Charakter der Beschwerden plötzlich ändern.

Kopfschmerz durch Medikamente: Schmerzmittel nur kurzfristig nehmen

20 Tage ohne sollten es auf jeden Fall sein. Mindestens. Und zwar jeden Monat. So viele Tage sollten Kopfschmerzpatienten ohne Schmerz- und Migränemittel auskommen – die rezeptpflichtigen eingerechnet. Bei zu häufiger Einnahme können diese nämlich ihrerseits zu Dauerkopfschmerz führen. Was zunächst nicht auffällt, denn von den ursprünglichen Beschwerden sind medikamentenbedingte Kopfschmerzen kaum zu unterscheiden.

Die Schmerzempfindlichkeit der Betroffenen wird durch die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln erhöht. Ein Teufelskreis: Die Medikamente werden in zunehmend kürzeren Abständen konsumiert, verstärken aber das Problem, gegen das sie eigentlich helfen sollen.

Bei Arzneimittelkopfschmerz hilft nur das vollständige Absetzen sämtlicher Schmerzmittel, was wegen der Entzugserscheinungen unter ärzt­­licher Aufsicht oder in einer spezialisierten Schmerzklinik erfolgen muss.


Kopfschmerz kann nämlich als Symptom vieler Erkrankungen auftreten. Bei häufigen, ungewöhnlich starken oder erstmals in höherem Alter auftretenden Beschwerden ist eine gründliche Diagnose unbedingt erforderlich. "Von der leichten Grippe bis zum hohen Blutdruck kann alles Mögliche dahinterstecken", erklärt Straube. Bei morgendlichen Schmerzen sind oft nächtliche Atemaussetzer oder Zähneknirschen die Ursache. Viele Patien­ten mit chronischen Kopfschmerzen leiden zudem an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. "Deren Therapie bessert dann auch den Kopfschmerz", so Straube. Hat der Arzt andere Ursachen dagegen ausgeschlossen, wird je nach Art des Kopfschmerzes ein sogenanntes multimodales Therapiekonzept erarbeitet.

Perfektionismus geht auf den Kopf

Zunächst wird versucht, die Schmerzhäufigkeit mit Medikamenten wie Antidepressiva oder Betablockern zu verringern. Doch auch Psychologen und Physiotherapeuten sind gefragt: "Wenn Menschen sich durch ihre Kopfschmerzen stark beeinträchtigt fühlen, kommen wir mit Medikamenten allein nicht weiter", betont Anneke Nielson, leitende Psycho­login der Schmerzklinik in Kiel.

Als häufigste Auslöser chronischer Kopfschmerzen gelten Stress und psychische Belastungen. "Die gestörte Schmerzverarbeitung wird durch Stress noch verstärkt", so Nielson. Betroffene lernen deshalb, Druck besser zu bewältigen. Unter anderem gilt es, ungünstige Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Nielson: "Kopfschmerzpatienten sind oft Perfektionisten, die sich für alles verantwortlich fühlen und unter enormem Druck stehen."

Viele Patienten empfinden dann Wärmeanwendungen oder Massagen als wohltuend, obwohl ihr Nutzen nicht durch Studien belegt ist. Auch Entspannungsverfahren sind oft hilfreich, allen voran die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: Indem sie einzelne Muskelgruppen bewusst an- und entspannen, nehmen Patienten die Unterschiede wahr und entwickeln ein besseres Körperempfinden. "Betroffene fühlen sich dem Schmerz oft ausgeliefert", sagt Expertin Nielson. "Durch die progressive Muskelentspannung können sie ihm aktiv entgegenwirken."

Training für mehr Selbstwirksamkeit

"Generell ist es wichtig, dass der Patient aus seiner Opferrolle herauskommt und selbst etwas gegen seine Beschwerden unternimmt", sagt die Psychologin. Zur sogenannten Selbstwirksamkeit tragen auch Sport und Bewegung bei. Nielson empfiehlt regelmäßiges leichtes Training, warnt aber vor zu viel Ehrgeiz: "Der Leistungsgedanke sollte außen vor bleiben, sonst entsteht schnell neue Anspannung."



Bildnachweis: Thinkstock/istock

Lesen Sie auch:

Medikamente Tabletten

Schmerzmittel: Welches hilft wann? »

Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac: Viele halten Schmerzmittel für ähnlich. Doch bei Wirksamkeit und Nebenwirkungen gibt es teils große Unterschiede »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Frau mit Kopfschmerzen

Kopfschmerzen

Kopfweh ist ein weites Feld: Fachleute unterscheiden über 200 verschiedene Formen. Einfach ein Schmerzmittel einzunehmen ist nicht immer eine gute Lösung. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages